Wer zum ersten Mal ins australische Outback fährt, unterschätzt vor allem eines: die Entfernungen. Rund siebzig Prozent des Kontinents gelten als Outback, ein Gebiet, in dem man stundenlang fahren kann, ohne einem anderen Auto zu begegnen. Die nächste Tankstelle ist oft ein „Roadhouse“, gleichzeitig Werkstatt, Imbiss und einziger Treffpunkt weit und breit.
Die Landschaft wirkt auf den ersten Blick leer, doch je länger man unterwegs ist, desto mehr sieht man. Da ist die rote Erde, deren Farbe vom Eisenoxid im Boden kommt. Da sind die runden Spinifex-Büsche, die selbst bei sengender Hitze überleben, die Termitenhügel am Straßenrand und die Kängurus, die in der Dämmerung plötzlich auftauchen. Wegen ihnen fährt man nachts besser gar nicht.
Auf den Highways teilt man sich die Straße mit Road Trains, Lastwagen mit drei oder vier Anhängern, die über fünfzig Meter lang sein können. Wer überholen will, braucht Geduld und freie Sicht bis zum Horizont.
Am eindrucksvollsten aber sind die Abende. Wenn die Sonne untergeht, verfärbt sich alles in Orange und Violett, und kurz darauf steht ein Sternenhimmel über einem, wie man ihn in Europa kaum noch zu sehen bekommt. Die Milchstraße wirkt so klar, dass man meint, ihre Struktur mit bloßem Auge zu erkennen.
Diese Weite macht still. Sie erinnert daran, wie klein man ist und wie gut es tut, einmal nirgendwo hin zu müssen.