Der Hamburger Hafen liegt gut hundert Kilometer von der Nordsee entfernt an der Elbe, und doch ist hier überall Meer zu spüren. Er ist der größte Hafen Deutschlands und einer der wichtigsten Europas. Wer an den Landungsbrücken steht, sieht Containerschiffe vorbeiziehen, die länger sind als drei Fußballfelder, und dahinter ein Wald aus Kränen, der niemals schläft.
Die Hamburger feiern ihren Hafen jedes Jahr im Mai mit dem Hafengeburtstag, der sich auf einen Freibrief aus dem Jahr 1189 beruft. Dass dieses Dokument wohl eine spätere Fälschung ist, stört dabei niemanden, und gefeiert wird trotzdem.
Den schönsten Blick auf den Hafen bekommt man ganz ohne Rundfahrt-Ticket: Die HADAG-Fähren gehören zum normalen Nahverkehr. Mit der Linie 62 fährt man von den Landungsbrücken elbabwärts Richtung Finkenwerder, vorbei an Docks, Werften und dem Museumshafen Övelgönne. Wer lieber unter der Elbe hindurch will, nimmt den Alten Elbtunnel von 1911, dessen Fahrkörbe bis heute Autos und Fußgänger in die Tiefe bringen.
Ein paar Schritte weiter erzählt die Speicherstadt von der Zeit, als hier Kaffee, Tee und Gewürze lagerten. Die roten Backsteinspeicher auf Eichenpfählen gehören seit 2015 zum UNESCO-Welterbe. Über allem thront die Elbphilharmonie, deren gläserne Welle seit 2017 zum neuen Wahrzeichen der Stadt geworden ist.
Am meisten Hafen spürt man aber nicht bei den Sehenswürdigkeiten, sondern abends auf einer Bank am Elbstrand. Die Lichter der Containerterminals spiegeln sich im Wasser, ein Schiff tutet in der Ferne, und der Wind riecht nach Diesel und Salz. Dann versteht man, warum so viele Hamburger sagen, sie könnten nirgendwo anders leben.